Im Sommer 2004 standen im Märkischen Zentrum plötzlich ungewöhnliche Besucher. Lebensgroße Figuren saßen an einer gedeckten Tafel, warteten an einer Bushaltestelle oder genossen die Sonne. Sogar auf dem Dach des Stadtbades standen mehrere Badegäste. Die Kunstwerke gehörten zu einer Ausstellung der Bildhauerin Christel Lechner. Historische Fotos unseres Lesers Reinhard Korsch erinnern heute an diese besondere Zeit und zeigen zugleich, wie das Märkische Zentrum vor mehr als 22 Jahren aussah.
Kunst mitten im Märkischen Viertel
Wer im Juni 2004 durch das Märkische Zentrum ging, konnte an vielen Stellen Menschen begegnen, die sich nicht bewegten. Es handelte sich um die „Alltagsmenschen“ der deutschen Bildhauerin Christel Lechner, lebensgroße und farbig gestaltete Betonfiguren, die gewöhnliche Situationen aus dem menschlichen Leben darstellen.
Die damalige Inszenierung trug den Namen „Big Märkisch Eden“ und ist bis heute in der offiziellen Ausstellungschronik der Künstlerin für das Jahr 2004 verzeichnet.
Die Figuren waren an verschiedenen Orten aufgestellt. Im Einkaufszentrum saß eine Gesellschaft an einer festlich gedeckten Tafel, während ein Koch danebenstand. In der Märkischen Zeile warteten mehrere Figuren an einer Bushaltestelle. Andere ruhten sich auf Liegestühlen zwischen Palmen aus oder standen auf dem Fontaneplatz unter einem Sonnenschirm.
Besonders auffällig waren sechs Badegäste, die hoch oben auf dem Dach des Stadtbades Märkisches Viertel standen und über den Platz blickten.





Wer steckt hinter den Alltagsmenschen?
Christel Lechner wurde 1947 in Iserlohn geboren und beschäftigte sich zunächst mit Keramik, bevor sie Ende der 1980er-Jahre begann, lebensgroße Figuren aus Beton zu gestalten.
Ihre Kunst zeigt keine idealisierten Menschen, sondern ganz gewöhnliche Personen mit unterschiedlichen Körperformen, Gesichtsausdrücken und Eigenheiten. Ob ältere Paare, Urlauber oder Wartende: Die Figuren wirken vertraut und laden dazu ein, den eigenen Alltag mit einem anderen Blick zu betrachten.
Seit 1996 werden ihre Arbeiten im öffentlichen Raum ausgestellt. Die „Alltagsmenschen“ waren inzwischen in zahlreichen Städten und Ländern zu sehen.



Ein Stück Märkisches Zentrum, das es so nicht mehr gibt
Die Fotografien von Reinhard Korsch dokumentieren nicht nur die Kunstausstellung, sondern auch das damalige Erscheinungsbild des Märkischen Zentrums.
Im Hintergrund sind unter anderem Geschäfte wie Adler, WÖHRL und Nordsee zu erkennen. Auch die früheren Einkaufspassagen, der Fontaneplatz und das Stadtbad sind auf den Bildern zu sehen. Das Schwimmbad hatte damals noch seine überwiegend graue und helle Fassadengestaltung. Auf einem Foto ist zudem die frühere Cappuccino Bar zu erkennen, an deren Standort sich heute das Orient Kitchen befindet.













Die Bilder entstanden am 22. Juni 2004. Wie lange die Ausstellung insgesamt dauerte und wie viele Figuren damals im Märkischen Viertel standen, ist uns nicht bekannt.
Unser Leser Reinhard Korsch hat uns diese historischen Aufnahmen freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Sie zeigen eine Zeit, in der das Märkische Zentrum noch ganz anders aussah, und erinnern an eine Kunstaktion, die gewöhnliche Menschen mitten in den Mittelpunkt stellte.
Erinnerst du dich noch an die Alltagsmenschen von 2004? Vielleicht hast du damals selbst eine der Figuren fotografiert oder kannst dich an weitere Standorte erinnern.
Fotos: Reinhard Korsch, 22. Juni 2004
Quellen und weitere Informationen
- Offizielle Ausstellungschronik der Alltagsmenschen mit „Big Märkisch Eden“ (2004)
- Offizielle Internetseite der Alltagsmenschen
- Gelebtes Leben: Christel Lechners Alltagsmenschen, boesner Kunstportal
